Kristian Villadsen: «Wir brauchen Städte, in denen es leicht ist, Gutes zu tun»

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Wir müssten Städte schaffen, in denen der bequemste und einfachste Lebensstil auch der gesündeste und nachhaltigste sei, sagt Kristian Villadsen, Partner und Director beim renommierten dänischen Architekturbüro Gehl Architects. An der GDI-Handelstagung und hier im Interview verrät er, wie sich der Einzelhandel in der Stadt nach Covid-19 neu erfinden kann.

GDI: Sie haben «Street Design Guidelines» für Shanghai mit definiert: Worum geht es darin?

Kristian Villadsen: Die «Street Design Guidelines» von Shanghai waren das erste Beispiel dafür, dass eine grosse chinesische Stadt Strassen als öffentliche Räume anerkannte. Gleichzeitig hat Shanghai die Bedeutung der (Einzelhandels-)Nutzung der Erdgeschosse für die Strassen erkannt – eine qualitätsorientierte Herangehensweise. Zuvor erfolgte die Kategorisierung der Strassen in Shanghai von Bordstein zu Bordstein und anhand der Autokapazität – eine Herangehensweise, die sich an der Quantität orientiert.

Wo würden Sie bei einem ähnlichen Projekt für eine europäische Stadt die wichtigsten Unterschiede sehen?

In Europa stammt ein grosser Teil unserer innerstädtischen Strassen aus der Zeit vor dem Autoverkehr und wird durch gemischt genutzte Gebäude definiert, in denen der Einzelhandel die natürliche Basis bildet. Das bedeutet nicht, dass wir keinen Bedarf an qualitätsorientierten Richtlinien haben, aber es bedeutet einfach, dass wir oft ein anderes Stadtgefüge haben, von dem aus wir planen können.

Was braucht es aus Ihrer Expertensicht , damit eine Stadt ein «guter» und lebenswerter Ort wird?

Wir brauchen Städte, in denen es leicht ist, Gutes zu tun. Die meisten Menschen wählen ihren Lebensstil auf der Grundlage dessen, was in ihrem Alltag am bequemsten, einfachsten und zugänglichsten ist. Wir müssen also Städte schaffen, in denen der bequemste, einfachste und zugänglichste Lebensstil auch der gesündeste, nachhaltigste und lebenswerteste ist – so einfach ist das. Wie wir das erreichen, können wir im September diskutieren.

Welche Funktion wird in einer zunehmend online-dominierten Welt der konventionelle städtische Einzelhandel haben?

Ich denke, wir werden eine erlebnis- und freizeitorientierte Einzelhandelsumgebung erleben, die sich auf Qualität, Fühlbarkeit und Nachhaltigkeit konzentriert.

Welche langfristigen Auswirkungen erwarten Sie von der Covid-19-Pandemie auf die Stadtgestaltung?

Wir haben gerade die kurzfristigen Auswirkungen auf das öffentliche Leben während der Pandemie untersucht. Diese geben uns gute Hinweise auf die wichtigsten Auswirkungen auf das Einzelhandelsumfeld und eine Vorstellung davon, was in Zukunft erforderlich ist, um den Einzelhandel neu zu erfinden. Quelle: GDI